Zur Zukunft des Krankenpflegevereins Marbach – Bericht aus der letzten Mitgliederversammlung am 20.10.2021

Ein Bericht aus der Marbacher Zeitung vom 09.11.2021

Die Lösung für die Überalterung soll die Auflösung sein

Der Krankenpflegeverein der Schillerstadt schlüpft 2023 mit allen Arbeitsbereichen unter das Dach der Diakonie Marbach.

 „Ich freue mich, Sie alle hier zur Mitgliederversammlung des Krankenpflege-vereins gesund und munter begrüßen zu können.“ So eröffnete Werner Hertler als Vorsitzender des KPV die diesjährige Mitgliederversammlung nach über zweijähriger Pause. Die lang andauernde Pandemie hat die regelmäßigen Versammlungen und viele andere Aktivitäten des KPV stark be- und sehr oft verhindert.

Nach dem Totengedenken mit einem Gebet von Dagmar Kohler, der Feststellung der Tagesordnung und der Annahme des Protokolls der letzten Mitgliederversammlung vom 10. April 2019 gab Günter Offermann einen Bericht über die Arbeit des Vorstands. In launigen Worten betrachtete er die Arbeit in den letzten zweieinhalb Jahren unter dem Motto „Das Mögliche im Gegebenen sehen“, frei nach Sören Kierkegaard: „Glauben ist Leidenschaft für das Mögliche“, eine allumfassende Glaubensformel für Religiöse sowie für Nicht-Religiöse! So versteht der Vorstand seine Arbeit und speziell die Aufgaben in der Pandemiezeit. Achtmal traf man sich in Präsenz oder digital, widmete sich den Alltags-aufgaben und machte sich Gedanken über die künftige Arbeit und überhaupt über die Zukunft des KPV. Einzelheiten hierzu steuerte die diakonische Mitarbeiterin, Christa Stirm, in ihrem Bericht bei, der die letzten 30 Monate umfasste. Während manche Angebote wie Urlaub ohne Koffer, Café Sonntag und die Seniorengymnastik aus Pandemiegründen pausieren mussten, konnte sich die zahlenmäßig begrenzte Trauergruppe mit Rücksicht, Vorsicht, Umsicht auch in Pandemiezeiten weiterhin treffen, was für die Betroffenen sehr, sehr wichtig war. Die sehnlichst erwartete Seniorengymnastik und Café Sonntag können jetzt erst wieder anfangen und die Trauergruppe kann im November wieder neu starten.

Durch Briefe und Telefonate wurde über die lange Coronazeit Kontakt mit den TeilnehmerInnen der verschiedenen Gruppen gehalten. Die Reaktionen waren oft sehr vielversprechend und ermutigend: Die meisten sind gut durch die Corona-Zeit gekommen. Mit anhaltendem Beifall dankte die Versammlung Christa Stirm für ihre unermüdliche und segensreiche Arbeit für die Menschen.

Wichtig war auch die Kooperation mit der Stadt in der Zukunftswerkstatt „Älterwerden in Marbach“. Die Gruppe befasst sich zur Zeit unter anderem mit dem Krankheitsbild der Demenz und möchte darauf hinarbeiten, dass Marbach zur „demenzfreundlichen Stadt“ wird. Die Arbeitsgruppe Demenz hat Kontakt mit der evangelischen Heimstiftung Stuttgart aufgenommen, die auf dem Gelände des alten Krankenhauses eine betreute Wohngemeinschaft für zehn bis zwölf an Demenz Erkrankte einrichten will. Das ist für Marbach sehr wichtig, da es bisher keine Möglichkeit der längeren Betreuung demenzkranker Menschen in Marbach gibt. Das Konzept ist sehr offen und legt besonderen Wert auf das bürgerschaftliche und ehrenamtliche Element. Dieses Projekt ist allerdings noch Zukunftsmusik, bis zur Realisierung dieses Vorhabens dürften wohl noch ein paar Jahre ins Land gehen. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer und eine Zukunftsaufgabe.

Karl-Heinz Steinhilber konnte eine zufriedenstellende Kassenlage für 2019, 2020 und bis zum 30. September 2021 ausweisen. Weniger Einnahmen standen in Pandemiezeiten verständlicherweise auch weniger Ausgaben gegenüber. Die Mitgliederzahl ging von 324 auf 304 zurück. Eine hervorragende Kassenführung bestätigten die beiden KassenprüferInnen und beantragten die Entlastung des gesamten Vorstands für 2019 und 2020. Diese wurde einstimmig gewährt.

Und am Ende gab es dann noch eine „schlechte“ und eine gute Nachricht: Werner Hertler nahm als Vorsitzender noch einmal das Mikro und wies auf sein fortgeschrittenes Alter und die lange vergebliche Suche eines/r Nachfolgers/in hin. Die Altersstruktur im gesamten Vorstand ist bis auf zwei Ausnahmen nicht anders. Und eine notwendige Verjüngung ist nicht in Sicht. Was also ist zu tun? Der Vorstand hat sich lange um eine Lösung bemüht. Und schließlich wurde ein zufriedenstellender und guter Weg gefunden: Der KPV löst sich auf und die Aufgaben und Arbeitsbereiche gehen ab 2023 nahtlos über unter das Dach der Diakoniestation Marbach. Die langjährige sehr gute Zusammenarbeit des KPV mit der Diakonie Marbach findet so eine sinnvolle Fortsetzung und Vollendung.

Für die TeilnehmerInnen an den Angeboten, an Gruppen und Kursen ändert sich dadurch nichts. Auch die diakonische Mitarbeiterin, Christa Stirm, nimmt ihre Aufgaben weiterhin wahr. Um das alles finanziell zu gewährleisten, soll die dann endende Mitgliedschaft im KPV in eine Fördermitgliedschaft bei der Diakonie Marbach münden. Mit dem Appell an alle Marbacherinnen und Marbacher, sich für eine solche Fördermitgliedschaft zu entscheiden, endete die Versammlung. Die endgültigen Entscheidungen werden dann im Jahr 2022 fallen.
(Horst-Dieter Dymke, Krankenpflegeverein).